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EM 2008 - Der Elfmeter - wissenschaftlich betrachtet
24.06.2008 |
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"Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" ist vielleicht nicht das wertvollste, aber sicherlich das meistzitierte Werk von Peter Handke. Bei fast jedem fälligen Strafstoß wird der Satz von Sportreportern erwähnt. Anlässlich der Fußball - Europameisterschaft 2008 war das auch schon mehrfach der Fall. Aber muss der Torwart wirklich Angst haben? Oder kann man voraussagen, in welche Ecke des Tores der Fußballspieler den Ball versenkt? Diese Fragen versuchten zwei Soziologen der Universität Leipzig zu beantworten.
Bei ihrer Analyse von mehr als 1000 Bundesliga-Strafstößen gingen Roger Berger und sein Student Rupert Hammer auch der Frage nach, welcher deutsche Torwart den Titel "Torwartkiller" besitzt. Ist es der derzeitige Nationaltorwart Jens Lehmann? "Ayala 2 lange warten, langer Anl. rechts, Rodriguez 18 links" - so stand es auf seinem Spickzettel beim Viertelfinalspiel der WM 2006 im Spiel Deutschland gegen Argentinien. Sieben mögliche argentinische Schützen und ihre Plazierungsvorlieben waren verzeichnet. Lehmann hielt gut - aber dazu trug der Zettel wenig bei. Nur zwei der sieben angekündigten Schützen traten wirklich an und Lehmann hielt nur einen Schuss.
Die alles entscheidende Frage lautet: kann man vorhersagen, wie und wohin ein Fußballer seinen Elfmeter umwandelt? Die beiden Soziologen haben darauf eine eindeutige Antwort: ein professioneller Schütze ist nicht berechenbar, er verfolgt kein Muster beim Verwandeln des Elfers. Sie untermauern ihre - nicht wirklich überraschende - These mit dem Untersuchungsergebnis von 1000 Elfmetern der Bundesligasaison 1993/94 bis 2003/04. Dabei verwerteten sie die Statistiken einer Münchner Firma, die genau verzeichnet hatte, wer wann wohin geschossen hat. Diese Angaben dokumentierten die beiden Soziologen in einer Excel-Tabelle.
Wissenschaftlich gesehen geht es darum, Spieltheorien zu überprüfen. Beim Elfmeterschießen handelt es sich nämlich um ein so genanntes "Nullsummenspiel": einer gewinnt, weil der andere verliert. Ähnlich wie beim Münzenspiel "Kopf oder Zahl" kristallisieren sich oft bei den Spielern bestimmte Muster heraus, wobei sie mehrfach ihre Taktik ändern. Genau das aber ist bei den Elfmeter-Schützen nicht der Fall, fanden die Leipziger Forscher heraus. Insofern ist und bleibt das Elfmeterschießen eine Glückssache, da sich Profis "unvorhersehbar" verhalten.
Dennoch gibt es einige Merkmale, die ein Torwart beachten sollte. So trifft ein Schütze, der mit dem rechten Fuß schießt, meist besser in die linke Torecke. Der Torwart sollte sich in diesem Fall also nach rechts orientieren. Die Analyse räumte aber auch mit vielen Klischees auf. So trifft man nicht besser, wenn man Heimvorteil hat oder in Führung liegt. Statistisch nicht belegbar ist auch das Gerücht, dass der Gefoulte eher einen Strafstoß verschießt als ein anderer Spieler. Eine gewisse Rolle könnten höchstens psychologische Tricks spielen, die den gegnerischen Schützen verunsichern. Wobei wir wieder bei Torwart Lehmann und seinem Spickzettel wären. Sollte es im Halbfinale oder gar im Finale der EM 2008 wieder zu einem Elfmeterschießen kommen, ist eines sicher: die Spannung bleibt, die Angst hat bis zuletzt höchstens der Zuschauer. geb
erstellt von Neusser Druckerei und Verlag GmbH
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